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Wenn Vertrautes nicht mehr trägt: Zukunft gestalten, ohne unsere Wurzeln zu verlieren

Über Risikowahrnehmung, die bedeutung von unterschiedlichen Perspektiven und die Verantwortung, Zukunft gemeinsam zu gestalten

Manchmal braucht es einen Schritt zurück, um zu erkennen, was vor uns liegt.

Bei einer Veranstaltung an der Universität Wien hat mich die Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beschäftigt. Die Geschichte einer Institution und die Menschen darin, die gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Entstehungs- und Fortentwicklungszeit sowie die Frage, welche Möglichkeiten wir heute haben, Wissen zu erwerben, Perspektiven zu entwickeln und Zukunft mitzugestalten. 

Dabei ist mir ein Gedanke besonders geblieben: 

Zukunft entsteht nicht dadurch, dass wir die Vergangenheit hinter uns lassen. Sie entsteht auch dadurch, dass wir verstehen, was uns geprägt hat, was davon weiterhin wertvoll ist und was wir verändern müssen und wollen. 

Das gilt für uns als Menschen ebenso wie für Führung, Organisationen und unsere Gesellschaft in unterschiedlichen Kulturkreisen.

 

🌿 Neue Perspektiven schaffen, damit uns die alten nicht überholen

Technologische, gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftliche Entwicklungen verändern die Bedingungen, unter denen wir leben und arbeiten. Was gestern noch als bewährte Lösung funktioniert hat, kann morgen bereits ein Hindernis werden. 

Das bedeutet nicht, alles Bestehende aufzugeben. Es braucht vielmehr die Fähigkeit, rechtzeitig zu erkennen, was uns trägt und was unsere Möglichkeiten zunehmend einschränkt (im Innen wie im Außen).

Ein Beispiel aus der Führung: Einer Organisation brechen Geschäftsfelder und KundenInnen weg, Märkte verändern sich und neue Technologien eröffnen andere Möglichkeiten. Dennoch werden Entscheidungen weiterhin über dieselben Hierarchiestufen und Abstimmungsschleifen getroffen wie viele Jahre zuvor. Das notwendige Wissen liegt längst in unterschiedlichen Fachbereichen, wird aber in Entscheidungen zu wenig berücksichtigt. 

Die Herausforderung liegt dabei nicht nur an fehlender Geschwindigkeit. Führungs- und Entscheidungsverständnis passen möglicherweise nicht mehr zu den tatsächlichen Anforderungen. 

Neue Perspektiven zu schaffen bedeutet, bisherige Annahmen zu überprüfen:

  • Wo braucht es Orientierung, wo Verantwortung und Entscheidungsspielraum?
  • Welche Erfahrungen müssen  / sollen einfließen, damit wir auch morgen handlungsfähig bleiben? 

Wie Führung „wirkt“( https://sandra-ornig.at/fuehrung-organisation/fuehrung-wirkt-bevor-sie-spricht/ ) zeigt sich dabei nicht nur in Entscheidungen, sondern auch darin, welche Rahmenbedingungen für Zusammenarbeit und Entwicklung geschaffen werden 

 

🌿 gemeinsam gestalten – damit aus Unterschiedlichkeit kein Gegeneinander wird  

Veränderungen werden nicht allein dadurch tragfähig, dass sie strategisch sinnvoll erscheinen. Entscheidend ist ebenso, wer daran beteiligt ist und wessen Erfahrungen und Interessen berücksichtigt werden. 

Wird beispielweise eine neue Organisationsstruktur entwickelt, ohne die Menschen einzubeziehen, die später mit ihren Auswirkungen arbeiten müssen, können wichtige Hinweise und Risiken unberücksichtigt bleiben. Was für die Leitung des Unternehmens notwendige Entwicklungsschritte sind, kann bei den Beteiligten Unsicherheit und das Gefühl auslösen, nicht gehört zu werden und Zugehörigkeit in Frage zu stellen.

Aus unterschiedlichen Sichtweisen entstehen dann möglicherweise verhärtete Positionen. Vertrauen geht verloren, Konflikte verschärfen sich und aus einem gemeinsamen Vorhaben wird Schritt für Schritt ein Gegeneinander.

Perspektiven gemeinsam zu schaffen meint deshalb hierbei, Menschen nicht auszuschließen, sondern ihre Erfahrungen frühzeitig einzubeziehen. Nicht alle müssen einer Meinung sein und nicht jede Entscheidung kann gemeinsam getroffen werden. Aber unterschiedliche Sichtweisen brauchen Sichtbarkeit und das Einfließen in die Entscheidungsfindung. 

Gerade im Risiko- und Krisenmanagement ist das wesentlich: Menschen nehmen aufgrund ihrer unterschiedlichen Erfahrungen, Aufgaben und Positionen in den jeweils unterschiedlichen Systemen, denen sie „angehören“, unterschiedliche Gefährdungen und Zusammenhänge wahr. Beteiligung erweitert damit nicht nur Perspektive, sondern auch die Möglichkeit, Risiken frühzeitig zu erkennen und Eskalationen entgegenzuwirken. [vgl. 1]

 

 

🌿 Risiken erkennen, bevor aus Ihnen Krisen werden 

Aus meiner Ausbildung in Risikoanalyse und Katastrophenmanagement nehme ich auf Situationen unterschiedliche Perspektiven mit, die meine heutige Arbeit wesentlich beeinflussen: Entwicklungen nicht isoliert zu betrachten, sondern Zusammenhänge, Wechselwirkungen und mögliche Folgen frühzeitig zu erkennen. 

Risiken entstehen selten nur durch ein einzelnes Ereignis. Häufig treffen bestehende Verwundbarkeiten, veränderte Rahmenbedingungen, Abhängigkeiten und Entscheidungen aufeinander. Was zunächst als einzelnes Signal erscheint, kann in Verbindung mit anderen Entwicklungen eine ganz andere Bedeutung bekommen. 

Dabei ist eine Unterscheidung bedeutsam: Eine Krise ist kein dauerhafter Zustand.
In der klassischen Krisenforschung wird sie als besondere Situation verstanden, in der grundlegende Werte oder lebenswichtige Systeme bedroht sind und unter [erheblichen] Zeitdruck und Unsicherheit Entscheidungen getroffen werden müssen. [vgl. 2]

Die akute Krisenphase ist dabei von den Entwicklungen zu unterscheiden, die ihr vorausgehen, und den Nachwirkungen, die auf sie folgen. Schleichende oder lang anhaltende Krisen können allerdings schwerer zeitlich abzugrenzen sein. [vgl. 3]

Nach einer Krise entsteht nicht zwangsläufig der ursprüngliche Zustand wieder. Es kann ein „neues Normal“ folgen – mit veränderten Rahmenbedingungen, Erkenntnissen und Anforderungen.

Deshalb reicht es nicht, nur auf das akute Ereignis zu reagieren. Wir müssen uns auch fragen:

  • Was hat zu dieser Entwicklung geführt?
  • Was haben wir übersehen?
  • Und wie gestalten wir das, was danach kommt?

Natürliche Systeme zeigen, wie wichtig es ist, Entwicklungen, Wechselwirkungen und Veränderung ( https://sandra-ornig.at/natur-natuerliche-rhythmen/nachhaltige-entwicklung-zusammenhaenge-lebendige-systeme/ ) in ihrem Zusammenhang wahrzunehmen. 

 

 

🌿 die eigene Geschichte verstehen – Zukunft verantwortungsvoll gestalten

Auch persönliche Veränderung beginnt oft mit der Erkenntnis, dass das Vertraute nicht mehr trägt. 

Vielleicht hat eine berufliche Rolle über Jahre Anerkennung, Sicherheit und Identität gegeben. Doch irgendwann passen die bisherigen Erfolgsmaßstäbe nicht mehr zu dem, was heute wichtig ist oder bricht komplett weg. 

Dann lohnt es sich, die eigene Geschichte anzusehen:

  • Welche Erfahrungen und Fähigkeiten haben mich geprägt?
  • Was möchte ich bewahren?
  • Welche Erwartungen habe ich übernommen, die heute nicht mehr meine Eigenen sind? 

Die eigene Geschichte zu würdigen bedeutet nicht, an allem festzuhalten. Es bedeutet unter anderem bewusst zu entscheiden, was weiterhin wertvoll ist und was gehen darf, damit Neues entstehen kann. 

Auch für Organisationen und unsere Gesellschaft stellt sich die Frage. Zukunftsfähigkeit beinhaltet nicht nur, neue Möglichkeiten zu schaffen, sondern auch, mit unseren natürlichen Ressourcen und ihren Grenzen verantwortungsvoll umzugehen. Energie, Rohstoffe, Boden und Wasser stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Entscheidungen müssen daher immer auch hinsichtlich ihrer langfristigen Auswirkungen und ihrer Folgen für kommende Generationen betrachtet werden – monetäre, kommerzielle Interessen haben längst ausgedient; wir leben schon lange auf Pump – auch wenn wir es vielerorts noch nicht wahrhaben wollen. 

Der internationale Ansatz „Build Back Better“ im Katastrophenmanagement greift diesen Gedanken auf: Wiederaufbau soll nicht einfach einen früheren Zustand wiederherstellen, sondern dazu beitragen, zukünftige Risiken zu reduzieren und Widerstandsfähigkeit zu stärken. [vgl. 4]

 

🌿Was wollen wir bewahren, was verändern und was neu schaffen?

In meiner Arbeit mit Menschen im privaten Kontext und Übergängen, Führungskräften und Organisationen geht es genau um diese Fragen: Zusammenhänge zu verstehen, unterschiedliche Perspektiven zusammenführen und daraus tragfähige nächste Schritte entwickeln. 

Neue Perspektiven schaffen, damit uns die Alten nicht überholen. 

Sie gemeinsam schaffen, damit aus einem Gegeneinander kein Ausnahmezustand entsteht.

Und sie unter Berücksichtigung unserer natürlichen, aber endenden Ressourcen umsetzen, damit daraus eine gute Zukunft für Alle werden kann. 

Denn was wir heute gemeinsam gestalten, kann für nächste Generationen bereits selbstverständliche Gegenwart sein. 
Dafür lohnt es sich, genauer hinzuschauen und Verantwortung zu übernehmen. 

Gemeinsam. Selbst. Wirken.

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Wenn Sie diese Gedanken weiterführen möchten, gibt es in meiner Arbeit unterschiedliche Räume, in denen daraus Orientierung und nächste Schritte entstehen können:

✨ aktuelles Webinar zum Thema:

  • „Alles was da ist, macht Sinn“ (25.11.2026 14:00 Uhr)

aktuelle Veranstaltungen entdecken: https://sandra-ornig.at/events/

 

✨ Wirksamkeitsraum für Führungskräfte – für Reflexion konkreter Situationen aus dem Führungsalltag und neue Perspektiven auf das eigene Handeln https://sandra-ornig.at/fuehrung-organisation/

✨ Wegkompass – 12 Wochen für persönliche Entwicklung, Neuorientierung und stimmige nächste Schritte https://sandra-ornig.at/persoenliche-entwicklung-menschen-begleiten/#wegkompass

Sie stehen für einer persönlichen, unternehmerischen oder organisationalen Herausforderung und möchten Zusammenhänge besser verstehen – Lassen Sie uns in einem unverbindlichen Erstgespräch gemeinsam schauen, was gerade wirklich wichtig ist:
https://sandra-ornig.at/


 

Literatur und fachliche Grundlagen:

1. United Nations (2015): Sendai Framework for Disaster Risk Reduction 2015–2030. United Nations Office for Disaster Risk Reduction (UNDRR). . Grundlage für den gesamtgesellschaftlichen und inklusiven Ansatz der Katastrophenvorsorge.

2. Rosenthal, U., Charles, M. T. & ‚t Hart, P. (Hrsg.) (1989): Coping with Crises: The Management of Disasters, Riots and Terrorism. Springfield, IL: Charles C. Thomas. Klassische Krisendefinition. Die hier verwendete Definition wird sinngemäß wiedergegeben.

3. Boin, A., Ekengren, M. & Rhinard, M. (2020): Hiding in Plain Sight: Conceptualizing the Creeping Crisis. Risk, Hazards & Crisis in Public Policy, 11(2), 116–138. https://doi.org/10.1002/rhc3.12193 Zur Unterscheidung schnell verlaufender und schleichender Krisen sowie deren zeitlicher Dynamik.

4. UNDRR (2017): Sendai Framework Terminology – Build Back Better. . Zum zukunftsorientierten Wiederaufbau und zur Reduktion künftiger Risiken.

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